FB 4 - Wirtschaftsinformatik
Wissenschaftliches Arbeiten
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Version 22.09.2017
Hinweis
  • Es gibt keinen Konsens, was wissenschaftliches Arbeiten ist und was nicht, auch ändern sich die Meinungen mit der Zeit und unterscheiden sich von Wissenschaft zu Wissenschaft. Auf der anderen Seite werden Arbeiten, die "unwissenschaftlich" sind, in scharfer Form abgelehnt. Jede/r Wissenschaftler/in scheint so seine eigene Vorstellung davon zu haben, ohne dass er diese öffentlich prüfbar vorlegt. Wer das nicht glaubt, versuche einmal eine Dissertation über Engel, Erdstrahlen oder über die Löcher an den Erdpolen bei einer Physik-Konferenz einzureichen....
  • Da in den Studien-/Prüfungsordnungen von den Abschlussarbeiten das Kriterium der Wissenschaftlichkeit verlangt wird, muss geklärt werden, was von den Studierenden dabei verlangt wird, was nicht heißt, dass damit geklärt wird, was sich unter Wissenschaftlichkeit verbirgt. Dies ist notwendig, damit das Studium kalkulierbar wird bzw. ist.
  • Es kommt noch hinzu, dass der Studiengang WI beschlossen hat, ab dem 1. Semester jede schriftliche Arbeit jedes Studenten nach wissenchaftlichen Kriterien zu beurteilen - und nicht, wie es vorher üblich war, nur die Abschlussarbeit. Es wird nicht akzeptiert, dass während des ganzen Studiums schriftliche Arbeiten irgendwie "zusammengehauen" werden können, um dann plötzlich eine wissenschaftlich einwandfreie Arbeit am Ende des Studiums abzuliefern. Daher wird als Training ab dem 1. Semester Wissenschaftlichkeit verlangt.
  • Hier noch ein paar Sites zur Ergänzung:
Prinzipien

Folgenden Prinzipien hat eine Arbeit zu genügen, wenn sie im Sinne der Prüfungs-/Studienordnung als "wissenschaftlich" angesehen werden kann:

  1. Aufstellen von Behauptungen (Thesen)
  2. Begründen aller Behauptungen durch Argumente
  3. Ein roter Faden, an dem die Argumentation erkennbar ist
  4. Explizites Aufzeigen, welche Behauptungen als Grundlagen unbegründet als wahr angenommen werden (Voraussetzungen)
  5. Explizite Angabe aller Behauptungen, die vom Autor übernommen werden (Literatur, Plagiatverbot)
  6. Nur durch den Leser prüfbare Zusammenhänge darstellen - was nicht prüfbar ist, weglassen oder als Voraussetzungen explizit darstellen
  7. Auseinandersetzung mit Behauptungen anderer Autoren (Literaturarbeit)
  8. Absolute Ehrlichkeit und Fairness gegenüber Anderen
  9. Vorschlag einer Lösung eines praktischen Problems
  10. Die Arbeit sollte eine echte Teilmenge der Deutschen Sprache (mit/ohne Reform) bzw. Englischen Sprache (Oxford) sein.

Folgende Prinzipien sind erwünscht, aber nicht erforderlich:

  1. Innovativität (aber: fast nichts in der Wissenschaft (Wirtschafts-)Informatik ist innovativ, auch wenn es von den jeweiligen Autoren dafür gehalten wird)
  2. Beitrag zu einem aktuellen Thema (was allgemein als interessant angesehen wird ist fast immer Mode)
  3. Funktionstüchtige Lösung eines praktischen Problems.

Folgendes darf auf keinem Fall auftauchen:

  1. Produktbeschreibungen, die eine Halbwertszeit von unter einem Jahr haben
  2. Reklame für Produkte und Technologien

Sollte so etwas unbedingt erforderlich sein, gehört es in den Anhang.

Geheimhaltung
Aus den bisherigen Ausführungen ist erkennbar, dass Öffentlichkeit zur Wissenschaftlichkeit gehört, da das Kriterium der Prüfbarkeit wesentlich ist.

Auf der anderen Seite besteht das Bedürfnis nach Geheimhaltung, da Unternehmen auch Betriebsgeheimnisse, z. B. während der Antragsphase eines Patents, wissenschaftlich bearbeitet haben wollen. Aber auch müssen Arbeiten von Studierenden durch die Hochschule prüfbar sein, was eine gewisse Offenlegung impliziert.

Daher sollte im Falle einer Geheimhaltung vor Beginn der Arbeit dem Betrieb verdeutlicht werden:

  1. Beide Prüfer sowie Vorsitzender der Prüfungskommission haben Einblick in die Arbeit und erhalten eine Kopie, die nicht zurück gegeben bzw. vernichtet wird; Zugriff auf die abgegebenen Kopien haben auch die Angestellten der Verwaltung (Erhalt, Weitergabe, Ablage der Arbeit).
  2. Alle während der mündlichen Prüfung Anwesenden erhalten Zugang zum Thema.
  3. Alle Personen mit Kopien unterliegen der Schweigepflicht.
  4. Alle Kopien der Arbeiten müssen einen expliziten Hinweis auf Nicht-Veröffentlichung haben.
  5. Alle Kopien werden nach Prüfungsabschluss bei Geheimhaltung nicht zugänglich aufbewahrt.
  6. Dem Wunsch nach Nicht-Veröffentlichung wird immer entsprochen, auch im Nachhinein.

Ansonsten werden die Arbeiten sofern sie besser als 2.0 sind in der Bibliothek und (manchmal auch) als PDF im Web veröffentlicht.

Um diesen ganzen Schwierigkeiten aus den Weg zu gehen und auch um dem Studierenden die Möglichkeit zu geben, seine Arbeit im Rahmen einer Bewerbung benutzen zu können, wird folgendes in den problematischen Fällen empfohlen:

Die Arbeit wird in einen öffentlichen und einem geheimen Teil aufgeteilt, wobei der letztere in den Anhang kommt. In der öffentlichen Arbeit wird auf den getrennten Anhang verwiesen. D.h. es werden pro Kopie zwei getrennte Schriftstücke abgegeben.